Der Weg vom Treibholz zum Schreib`Holz

Der Weg vom Treibholz zum Schreib`Holz

Ein Natur-geformter, ökologisch-nachhaltiger und von Hand veredelter Kugelschreiber, ein Kunstobjekt fürs Auge und ein Schmeichler für Ihre Hände.

Anders als im Produktdesign, wo die Form von der Funktion abhängt und diese für möglichst viele ansprechend und nutzbar sein soll, wird die Form meiner Stifte von der Natur bestimmt. Meine Aufgabe liegt darin, dieser gegebenen Form die Schreibfunktion hinzuzufügen. Das klingt vielleicht einfach, jedoch liegt darin nicht selten eine hohe Herausforderung, oft ist eine individuelle Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Stück Holz, dass ich in die Hand nehme. Dies gelingt mir auch nicht immer, es ist teils ein Balanceakt, auf den ich mich begebe und diesem mit meinen Erfahrungen und Fähigkeiten begegne – und ebenso mit meinen Schwächen. Für mich ist es ein Beziehungsaufbau, der sich darin vollzieht – und wie Beziehung im Verlauf gelingt, gestalten beide miteinander 🙂

Das einzelne Schreib`Holz ist dann immer einzigartig, sowie auch wir, mit unseren einmaligen Händen und wie wir sie benutzen, bis hin zu unserem eigenen Schreibstil, den wir entwickeln – vielleicht auch für Sie der Beginn einer wunderbaren Verbindung.

Der Prozess

Mein Rohmaterial finde ich an den Flüssen und Seen des Allgäu und dessen Umland. Und hier begegnet mir schon die erste Herausforderung – das meiste Schwemmholz, so schön es auch aussieht, ist bereits zu stark verwittert, sodass es sich für eine Weiterverarbeitung nicht mehr eignet. Schließlich möchte ich ja, dass Sie lange Freude an Ihrem Schreib`Holz haben. Etwa 90 % übersteht einen ersten Stabilitätstest leider nicht. Dies bedeutet auch, dass ich mich für 10 stabile Hölzer nicht selten an die 100-mal „verneigen“ darf, um diese aufzulesen.

Nach einer Reinigung lagern die Hölzer mehrere Monate in meiner Werkstatt und kommen dabei, langsam trocknend, zur Ruhe.

Vor der Weiterverarbeitung erfolgt dann zweiter Stabilitätstest, wobei etwa nur die Hälfte diesen besteht. Hier begutachten meine Hände anschließend die Form und prüfen welches Holz sich für ein Schreib`Holz eignen kann, ebenso entscheide ich über den Zuschnitt der Stifte.

Nach einem groben Zusägen und Entfernen, bzw. Einkürzen von ungeeigneten Verästelungen folgt ein mehrstufiger Vorschliff. Anschließend bestimme ich die endgültige Länge und bohre das Loch für die Mine ein – auch in mehreren Stufen – und schleife die Spitze aus. Auch bei diesen Schritten kann es vorkommen, dass sich erst jetzt Risse zeigen, sich das Holz insgesamt als ungeeignet erweist oder der Bohrer entlang des geringsten Widerstands verläuft und ungeplant wieder austritt.

Die übrigen Hölzer erfahren nun ihren Feinschliff, werden anschließend mit einem ökologischen Bienenwachs-Öl behandelt und abschließend poliert. Mit dem Einsetzen der Mine endet die Bearbeitung und ein neues Schreib`Holz ist in dieser Welt. Auch hierbei können sich noch einzelne Fehler zeigen, die einer Nachbearbeitung bedürfen. Bis hierher fallen weitere ca. 10 % der von mir gefertigten Stifte aus meinem Angebot.

Aus den ursprünglich einhundert aufgelesenen Hölzern sind am Ende vielleicht zwei bis drei Stifte entstanden.

Der Preis

Jetzt haben Sie eine ungefähre Vorstellung davon, welcher Aufwand hinter der Fertigung eines Schreib`Holzes steckt. Würde ich dies vollständig in meine Preiskalkulation mit einfließen lassen, würden wohl nur noch wenige gutbetuchte Menschen sich diese leisten wollen.

Das entspricht jedoch nicht meinem Ansinnen, weshalb ich die Preise sehr moderat gestalte. So betrachte ich den Naturgang, bei dem ich die Rohlinge sammle, als meine Freizeit (teils zum Leidwesen meiner Partnerin, die gerne auch mal wieder längere Stecken mit mir laufen würde :). Ebenso verzichte ich darauf, Verbrauchsmaterial- und Abschreibungskosten, sowie die Betriebskosten, die Administration der Webseite und den Verwaltungsaufwand auf den Preis umzulegen. Da ich dies weitgehend alles selbst erledige, dient dies vor allem einem Selbstzweck – ansonsten würde ich über den resultierenden Stundenlohn wohl nur weinen können. Bei mir steht die Freude an meinem Tun im Vordergrund, weshalb ich mich nur nachrangig als Kleinunternehmer sehe, sondern vielmehr als Kunsthandwerker, der möchte, dass sich möglichst jeder diese Kunst leisten kann.

Sie bekommen daher ein handgefertigtes Produkt, dass sie deutlich unter einem marktüblich kalkulierten Preis erwerben können.

Ab hier sind nun Sie eingeladen etwas Zeit mitzubringen, damit Sie und Ihr Schreib´Holz sich finden können. Gerne lege ich dafür mein kleines Kunsthandwerk in Ihre Hände. Probieren Sie aus!

Meine fachlichen Gedanken zum Schreib`Holz

Als approbierter Ergotherapeut vergleiche ich das Schreiben mit einem Schreib`Holz auch gerne mit dem Barfußlaufen auf Naturboden, wo sich unsere Füße an den Untergrund anschmiegen. Dies ist auch ursprünglich ihre Funktion, wir sind es in der Regel nur nicht mehr gewohnt, bzw. haben es verlernt, da wir uns hauptsächlich auf asphaltierten Wegen bewegen und dabei unsere Füße in Schuhe eingepackt sind. Dabei ist es die natürlichste Form der Fortbewegung und ganz nebenbei auch noch sehr gesund.

Meine Schreib`Hölzer können dabei beides bieten, zumindest für Ihre Schreibhand.

Zum einen den „Barfußlauf“ mit Ihren Händen beim Schreiben – jenseits von Form-optimierten Schreibgeräten. Erfahren Sie, wie sich die Naturform der Stifte mit ihnen verbindet. Damit können Sie ggf. auch unergonomische Schreibgewohnheiten unterbrechen und fördern Ihre taktile Empfindungsfähigkeit.

Zum anderen auch als „adaptives Hilfsmittel“, dass sich natürlich in Ihre besondere Art der Stiftführung einfügen kann. Eine Kollegin hat darüber „ihren Stift“ gefunden, von dem ich ursprünglich dachte, dass er keinen Abnehmer finden würde. Aus ergotherapeutischer Sicht kann ich Ihnen jedoch herstellungsbedingt kein standardisiertes adaptives Programm anbieten. Es bleibt das Ausprobieren. Gerne hätte ich bei der Gestaltung der Stifte dazu eine Vielzahl an unterschiedlichsten Händen zur Verfügung…